Digital Health und DiGA als Investment: Perspektive der Investoren

Der deutsche DiGA-Markt aus Investorensicht

Teil 3: Sind DiGA ein interessantes Investment?

Eine Investition in einen DiGA-Hersteller ist kein Selbstläufer. Der Erfolg hängt entscheidend vom Gründer- beziehungsweise späteren Managementteam ab. Dieses muss über eine klare und fokussierte Go-to-Market-Strategie verfügen und sich idealerweise auf kommerziell attraktive Indikationen konzentrieren.

Plattformunternehmen mit mehreren DiGA haben gegenüber Ein-Produkt-Unternehmen klare Vorteile. Mit einem Portfolio komplementärer Produkte für dieselbe Zielgruppe von Gesundheitsfachpersonen lassen sich Skaleneffekte im Vertrieb erzielen.

Insgesamt sollte die DNA eines DiGA-Unternehmens von einem „Commercial-first“-Ansatz geprägt sein. Häufig ist stattdessen ein „Purpose-first“-Ansatz zu beobachten. Dieser führt beispielsweise zu falschen Portfolioentscheidungen, bei denen eher wünschenswerte als wirtschaftlich attraktive Indikationen priorisiert werden.

Drei mögliche Investmentstrategien

Aus Sicht des Anlagehorizonts und der Renditeerwartung lassen sich drei Hauptstrategien unterscheiden. Sie schliessen sich nicht gegenseitig aus:

  • Kurzfristig – unter drei Jahren: Schneller Exit.

  • Mittelfristig – drei bis fünf Jahre: Aufbau eines profitablen Geschäfts in Deutschland.

  • Langfristig – mehr als fünf Jahre: Globale Skalierung.

Kurzfristige Exits

Im deutschen DiGA-Markt gab es bereits einige schnelle Exits. Grundsätzlich lassen sich drei Szenarien unterscheiden.

Szenario 1: Exit an Pharma- oder MedTech-Unternehmen

  • Das US-amerikanische Unternehmen ResMed übernahm Mementor/Somnio im August 2022, rund zwei Jahre nach dem Markteintritt. Somnio ist eine DiGA zur Behandlung von Schlafstörungen.

  • Das deutsche Unternehmen Pohl-Boskamp übernahm mynoise/Kalmeda im Mai 2023, etwa zweieinhalb Jahre nach dem Markteintritt. Kalmeda ist eine DiGA zur Behandlung von Tinnitus.

Szenario 2: Exit an internationale Digital-Health-Unternehmen

  • Das isländische Unternehmen Sidekick übernahm aidhere/zanadio im Oktober 2023, rund drei Jahre nach dem Markteintritt. Zuvor hatte aidhere Insolvenz angemeldet.

  • Sidekick übernahm ausserdem PINK! im Juni 2024, etwa zwei Jahre nach dem Markteintritt. PINK! ist eine DiGA im Bereich Brustkrebs.

  • Das US-amerikanische Unternehmen Mahana Therapeutics übernahm Cara Care im März 2024, etwa zweieinhalb Jahre nach dem Markteintritt. Cara Care ist im Bereich chronisch entzündlicher Darmerkrankungen tätig.

Szenario 3: Konsolidierung beziehungsweise Exit an einen deutschen Wettbewerber

Dieses Szenario ist bisher noch nicht eingetreten. Ich gehe jedoch davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zu einer solchen Transaktion kommt.

Beispiele für unterschiedliche Wachstumsstrategien

Kranus Health ist ein Beispiel für einen DiGA-Hersteller mit klarem kommerziellem Fokus und einer Plattformstrategie auf dem Weg zur Profitabilität. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Urologie und hat bereits zwei urologische DiGA auf den Markt gebracht. Mehrere weitere Produkte befinden sich in der Entwicklung.

GAIA und Kaia sind zwei deutsche Digital-Health- beziehungsweise DiGA-Hersteller mit einer starken Präsenz in den USA. Eine globale Skalierung von DiGA im Rahmen neu eingeführter Zulassungs- und Erstattungsmodelle – beispielsweise PECAN in Frankreich – wird jedoch Zeit benötigen und dürfte nicht so einfach erfolgen wie zunächst erwartet.

Das zeigt unter anderem die jüngste negative Bewertung der Schlaf-DTx von HelloBetter durch die französischen Behörden. Dennoch erwarte ich bei den DiGA-Herstellern eine steile Lernkurve, die schrittweise zu einer stärkeren Internationalisierung ihrer Umsätze führen dürfte.

Die Herausforderungen bei der Kommerzialisierung werden wahrscheinlich ähnlich sein wie auf dem deutschen Markt.

Wann sind DiGA ein interessantes Investment?

Insgesamt können DiGA eine interessante Investitionsmöglichkeit darstellen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Gründerteam verfolgt einen konsequenten „Commercial-first“-Ansatz.

  • Das Therapiegebiet beziehungsweise die Indikationen sind kommerziell attraktiv.

  • Gründerinnen, Gründer und Investoren verfolgen eine klare und gemeinsame Strategie zur Wertschöpfung.

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Marcus Bergler
Pharma Executive and Digital Health Expert

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