Überblick über Corporate Innovation

Überblick über Corporate Innovation: Wann sollte man selbst entwickeln, kaufen, Partnerschaften eingehen oder investieren? – Innovation in der Medizintechnik navigieren

In der heutigen schnelllebigen Technologiewelt müssen MedTech-Unternehmen innovativ bleiben, um an der Spitze der S-Kurve zu bleiben – oder, noch besser, die nächste S-Kurve anzustossen. Dieses von Schumpeter inspirierte und von McKinsey weiterentwickelte Konzept unterstreicht, wie wichtig Innovation ist, solange ein Unternehmen noch über einen starken Marktanteil und gesunde Margen verfügt. Da sich Innovationszyklen verkürzen und neue Technologien wie künstliche Intelligenz und Quantencomputing diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen, wird deutlich, dass viele grosse MedTech-Unternehmen über ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen hinausblicken müssen, um ihren Vorsprung zu sichern.

Im Folgenden vergleichen wir die interne Forschung und Entwicklung mit drei weiteren Strategien und zeigen auf, welches Modell sich je nach Situation am besten eignet.

Die folgende Abbildung empfiehlt unterschiedliche Wege, um Innovation in ein Unternehmen zu integrieren. Entscheidend ist dabei, ob die jeweilige Innovation bereits auf dem Markt verfügbar ist und wie gut sie mit der bestehenden Organisation kompatibel ist. Wir betrachten die einzelnen Aktivitäten nacheinander und beginnen mit der internen Forschung und Entwicklung als Ausgangspunkt.

Je grösser die Blase, desto länger dauert es von der Initiierung bis zum Erreichen erster Ergebnisse – beispielsweise durch zusätzliche Umsätze, finanzielle Erträge oder Kosteneinsparungen. Je dunkler die Farbe, desto grösser ist der potenzielle Einfluss auf die Innovations-S-Kurve.

Corporate Innovation Chart

1. Interne F&E: Der Ansatz der Kernkompetenzen

Wenn eine Innovation auf dem Markt noch nicht existiert und Ihr Unternehmen über die erforderlichen Kernkompetenzen zu ihrer Entwicklung verfügt, ist die interne Forschung und Entwicklung der naheliegende Ansatz. Zwar geht der Trend zunehmend in Richtung externer Innovation, und die meisten F&E-Projekte konzentrieren sich auf schrittweise Verbesserungen. Dennoch ist es entscheidend, die internen Fähigkeiten nicht aufzugeben.

Wir unterstützen die Förderung externer Innovation durch Startups, setzen uns aber ebenso nachdrücklich für den Erhalt leistungsfähiger interner F&E-Ressourcen ein. F&E-Ingenieurinnen und -Ingenieure sollten nicht zu reinen Verwaltern von Dokumentationen und Designanpassungen werden.

2. Corporate Venture Building: Innovation ausserhalb bestehender Strukturen

Venture Building ist eine hervorragende Option, wenn disruptive Innovationen ausserhalb der bürokratischen Strukturen eines Unternehmens entwickelt werden sollen. Mit einem neuen, agilen Team können Sie ein neuartiges Produkt entwickeln oder in einen neuen Markt eintreten.

Wichtig ist, dass das Unternehmen die Mehrheit der Anteile hält. Gleichzeitig sollte dem Projektteam und dem künftigen Senior Management eine Beteiligung angeboten werden, um die richtigen unternehmerischen Talente zu gewinnen.

Solche Projekte sind keineswegs einfach und erfordern ein sehr professionelles und schlankes Vorgehen. In vielen Fällen müssen Projekte abgebrochen werden – etwas, woran Unternehmen nicht immer gewöhnt sind. Zudem können Interessenkonflikte entstehen, wenn das Projektteam ein finanzielles Interesse an der Fortführung des Projekts hat und seine Arbeitsplätze vom Projekterfolg abhängen. Dies führt häufig dazu, dass zu viel Zeit und Kapital eingesetzt werden. Diese Risiken müssen entsprechend gesteuert werden.

Venture Building wird oft als Geheimwaffe von Unternehmen wahrgenommen, um mit der Startup-Welt zu konkurrieren – mit besser finanzierten Startups und einem leistungsfähigeren Ökosystem. Dennoch müssen Erwartungen und Prozesse von Anfang an klar definiert werden, und solche Entwicklungen geschehen nicht über Nacht. Wie ein Startup zu handeln, erfordert ebenfalls umfangreiche Validierung, die Überprüfung zahlreicher noch unbewiesener Annahmen sowie die Analyse verschiedener Marktteilnehmer. Dies braucht Zeit und Geduld.

3. Corporate Venture Capital (CVC): Den Kontakt zur Innovation halten

CVC ist eine gute Möglichkeit für Unternehmen, frühzeitig mit Startups in Kontakt zu treten und den Puls der Innovation zu spüren. Als Finanzierungsaktivität sind die meisten CVC-Fonds jedoch in erster Linie finanziell ausgerichtet. Minderheitsbeteiligungen schaffen nicht automatisch einen Wettbewerbsvorteil; häufig geht es vielmehr um die Erzielung finanzieller Renditen.

Die Übernahme eines Startups ist zwar eine Option, kann aber zu Interessenkonflikten führen: Der CVC-Fonds möchte möglicherweise eine möglichst hohe Rendite erzielen, während das Mutterunternehmen an einem möglichst günstigen Kaufpreis interessiert ist.

Angeblich werden weniger als 10% der durch CVC finanzierten Startups von ihrem Mutterunternehmen übernommen. Bedeutet das, dass CVC scheitert? Nicht unbedingt – es hängt von den jeweiligen Zielen ab. Finanzielle Renditen allein stellen bereits ein gutes Ergebnis dar; alles Weitere ist ein zusätzlicher Vorteil.

4. Venture Partnering: Direkter Wettbewerbsvorteil

Wir bewegen uns nun in den oberen rechten Bereich der Abbildung. Im Original gab es lediglich eine Kategorie namens „Corporate-Startup Partnering“. Ich habe diese in Venture Partnering und Venture Clienting aufgeteilt.

Venture Partnering bezeichnet eine Zusammenarbeit zwischen einem Startup und einem Unternehmen an einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt. Ziel ist es, neue Wettbewerbsvorteile für das Unternehmen zu schaffen, während das Startup von Ressourcen wie Kapital, Know-how und Marktzugang profitiert.

Dieser Ansatz erfordert einen erheblichen rechtlichen Prüfungsaufwand, eine enge Projektkoordination und umfangreiche F&E-Ressourcen. Die Komplexität wird schnell deutlich, insbesondere bei Fragen zu geistigem Eigentum und Eigentumsrechten.

Häufig werden solche Entwicklungen exklusiv durchgeführt. Dadurch besteht für Startups die Gefahr, zu reinen Dienstleistern herabgestuft zu werden und das erhebliche Wachstumspotenzial einer Skalierung zu verlieren. Gleichzeitig kann Venture Partnering ein früher Schritt auf dem Weg zur Gründung eines Joint Ventures sein.

5. Venture Clienting: Schnelle Ergebnisse bei geringem Risiko

Venture Clienting ist der jüngste Ansatz im Bereich der Open Innovation. Dabei wird gezielt nach Startup-Lösungen gesucht, die eine konkrete Herausforderung des Unternehmens lösen. Ziel ist es, den Erfolg einer Zusammenarbeit durch bezahlte Pilotprojekte schnell und kostengünstig zu bewerten.

Entscheidend sind klar definierte Problemstellungen und eine eindeutige Zuweisung von Ressourcen. Innovationsherausforderungen können entweder von oben nach unten entwickelt werden, indem Lücken bei Ressourcen oder Know-how in der Innovationsstrategie identifiziert werden. Alternativ können sie von den Geschäftsbereichen ausgehen, die Herausforderungen melden, die sie intern nicht lösen können.

Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen besteht häufig darin, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Budgets so einzurichten, dass innerhalb von drei Monaten ein Pilotprojekt gestartet werden kann. Startups können buchstäblich an den bürokratischen und langwierigen Lieferantenzulassungsverfahren grosser Unternehmen scheitern.

Mitunter unterscheiden sich die Erwartungen eines Unternehmens und eines Startups grundlegend. Daher ist es sinnvoll, eine vermittelnde Person einzubeziehen, die beide Welten versteht.

Venture Clienting eignet sich ausserdem hervorragend, um einen Überblick über den Markt zu gewinnen. Dabei kann sich herausstellen, dass die gesuchte Lösung auf dem Markt überhaupt nicht existiert. Dies ist ein klares Signal dafür, auf Venture Building zurückzugreifen.

6. M&A: Der letzte Ausweg

Ich erwähne M&A bewusst als letzten Ausweg, denn idealerweise steht die Übernahme nicht am Anfang, sondern bildet das Ergebnis erfolgreicher vorheriger Kooperationen.

Eines der grössten Risiken bei M&A besteht darin, dass die Integration nach dem Zusammenschluss nicht wie geplant funktioniert. Mit Venture Clienting und Venture Partnering lässt sich dieser Prozess umkehren: Unternehmen können eine Art Pre-Merger-Integration durchführen. Sie erkennen schnell, wie gut die Lösung des Startups zu ihren Prozessen und Produkten passt, und können die Partnerschaft im Laufe der Zeit auf natürliche Weise vertiefen.

Eine Übernahme kann auch das Ergebnis einer erfolgreichen CVC-Investition sein. Wie bereits erwähnt, kommt dies jedoch eher selten vor.

Die ideale Strategie: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

Mit einer Corporate-Startup-Partnering-Haltung zu beginnen, bietet zahlreiche Vorteile. Unternehmen erhalten dadurch einen guten Marktüberblick und können fundierte Entscheidungen darüber treffen, welche Innovationsform tatsächlich am besten geeignet ist. Bei Bedarf können sie anschliessend zu einer Investition, einem Venture-Building-Projekt mit einem externen Team oder zur internen Forschung und Entwicklung wechseln.

Aus M&A-Perspektive ermöglicht dieser Ansatz, die Kompatibilität zunächst zu testen und eine Partnerschaft aufzubauen, bevor man sich auf langwierige und kostspielige Due-Diligence-Prozesse einlässt. Dadurch lassen sich die Risiken einer späteren Post-Merger-Integration verringern.

Bei KAPSLY und MEDKAP bieten wir MedTech-Unternehmen das passende Ökosystem, um von Startup-Innovationen zu profitieren. Ob durch Venture Clienting, Venture Building oder strategische Investitionen – wir unterstützen Sie dabei, an der Spitze der HealthTech-Innovation zu bleiben. Lassen Sie uns austauschen und gemeinsam prüfen, wie wir Ihre strategischen Ziele unterstützen können.

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