MedTech als Investment: Eine Erfolgsgeschichte

Ist MedTech ein gutes Investment für Business Angels?

Ich erinnere mich noch lebhaft an ein Startup, das ein Netzhautimplantat entwickelte, um Menschen mit starkem Sehverlust einen grundlegenden Sehsinn zurückzugeben. Trotz anfänglicher Erfolge und der regulatorischen Zulassung stand das Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen und scheiterte letztlich. Neben Geräteausfällen und finanziellen Schwierigkeiten war der Markt schlicht noch nicht bereit für eine derart „disruptive“ Technologie.

Auf der anderen Seite erinnere ich mich an ein Startup, das einen medikamentenbeschichteten Ballon für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelte. Nach zwölf Jahren voller Herausforderungen, Rückschläge und Momente der Verzweiflung erhielt das Unternehmen schliesslich die CE-Kennzeichnung, trat erfolgreich in den Markt ein und erzielte einen Exit im Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar.

In den vergangenen 15 Jahren war ich als Business Angel und regulatorischer Berater an mehreren MedTech-Startups beteiligt. Dabei habe ich beobachtet, dass im Durchschnitt neun von zehn Medizintechnik-Startups letztlich nicht erfolgreich sind und ihre Geschäftstätigkeit einstellen – selbst wenn sie innovative und gute Produkte entwickelt hatten und alle Medizinprodukte eine CE-Kennzeichnung oder FDA-Zulassung erhalten hatten.

Damit stellt sich die Frage: Welche Erfolgskriterien gelten für MedTech-Investitionen?

Erfolgskriterien für MedTech-Investitionen

Nach meiner Beobachtung ist ein wesentlicher Grund für das Scheitern vieler Unternehmen, dass der Markt das Produkt schlicht nicht nachfragt – und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Häufig ist das Produkt bei der Lösung eines klinischen Problems nicht wettbewerbsfähig oder adressiert keinen ungedeckten klinischen Bedarf.

Ein weiterer häufiger Grund ist die fehlende Erstattungsfähigkeit. Entweder erkennen Krankenversicherer den klinischen Nutzen nicht an oder das Produkt wird als zu teuer eingestuft.

Investoren sollten daher bei der Bewertung von MedTech-Investments auf folgende Voraussetzungen achten:

  • Klare Indikation mit klinischem Nutzen: Der medizinische Bedarf und die Vorteile sollten durch Marktstudien belegt sein.

  • Nachgewiesene technologische Machbarkeit: Die Technologie muss realisierbar sein und sich patentieren lassen.

  • Positives Feedback von Key Opinion Leaders (KOLs): Rückmeldungen zur Benutzerfreundlichkeit und Anpassungsfähigkeit sollten die Attraktivität der Lösung bestätigen.

  • Gesicherte Erstattungsfähigkeit: Eine bestehende Erstattung oder eine realistische Erstattungsstrategie muss vorhanden sein, damit das Geschäftsmodell finanziell tragfähig ist.

  • Strategisches Interesse grosser MedTech-Unternehmen: Dieses kann den Vertrieb erleichtern und einen realistischen Exit ermöglichen. Auf einen Börsengang sollte man sich hingegen eher nicht verlassen.

Chancen für Business Angels

Darüber hinaus sprechen klare Marktdynamiken und Wachstumschancen dafür, dass Business Angels in MedTech-Startups investieren. Erfolgreiche Beteiligungen können unter günstigen Umständen eine Vervielfachung des investierten Kapitals um das 40-Fache oder mehr ermöglichen.

1. Marktwachstum

Der MedTech-Sektor wächst in zahlreichen Segmenten stark. Beispiele:

  • Der globale Diagnostikmarkt soll ein Volumen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar erreichen.

  • Der Markt für kardiovaskuläre Produkte soll auf 300 Milliarden US-Dollar wachsen.

  • Der Dentaltechnikmarkt soll voraussichtlich 34 Milliarden US-Dollar erreichen.

  • Der Markt für chirurgische Geräte soll bis 2030 auf 110 Milliarden US-Dollar anwachsen und mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7% expandieren.

2. Renditen durch Innovation

Erfolgreiche MedTech-Startups können erhebliche Exits erzielen.

Ein herausragendes Beispiel ist Covidien. Das 2002 gegründete Unternehmen war ein führender Hersteller von Medizinprodukten und medizinischen Verbrauchsmaterialien. Das Produktportfolio umfasste unter anderem chirurgische Lösungen, Patientenüberwachung und Gefässtherapien. Medtronic übernahm Covidien 2014 für 50 Milliarden US-Dollar.

Ein weiteres Beispiel ist Auris Health, gegründet im Jahr 2007. Das Unternehmen entwickelte robotergestützte Endoskopiesysteme zur Früherkennung und Behandlung von Lungenkrebs. Die Monarch Platform, ein robotisches Bronchoskopiesystem, war eine zentrale Innovation des Unternehmens. Johnson & Johnson übernahm Auris Health 2019 für zunächst 3,4 Milliarden US-Dollar. Einschliesslich zusätzlicher Meilensteinzahlungen konnte der Gesamtwert der Transaktion 5,75 Milliarden US-Dollar erreichen.

Die bestehenden Herausforderungen

Trotz dieser Erfolgskriterien bleibt MedTech ein komplexes und anspruchsvolles Geschäft. Die häufigsten Herausforderungen betreffen Zeit, Finanzierung und den regulatorischen Zulassungsweg.

  • Lange Entwicklungszeiträume: MedTech-Produkte erfordern häufig langwierige Forschungs- und Entwicklungsphasen, klinische Studien und regulatorische Zulassungen. Dadurch verlängert sich der Weg bis zur Markteinführung.

  • Hoher Kapitalbedarf: Für Produktentwicklung, klinische Studien und regulatorische Compliance sind in der Regel erhebliche Finanzmittel erforderlich.

  • Regulatorische Komplexität: Die Navigation durch unterschiedliche regulatorische Systeme erhöht den Zeit- und Kostenaufwand.

Strategische Überlegungen für Business Angels

  • Expertise nutzen: Investoren mit Erfahrung im Gesundheitswesen oder in der Medizintechnik können Chancen besser beurteilen und strategische Unterstützung leisten.

  • Geduldiges Kapital bereitstellen: Aufgrund der längeren Entwicklungszeiten müssen Investoren auf eine längere Haltedauer vorbereitet sein.

  • Sorgfältige Due Diligence durchführen: Technologie, regulatorischer Zulassungsweg und Marktpotenzial müssen gründlich geprüft werden.

  • Syndizierungsmöglichkeiten nutzen: Die Zusammenarbeit mit anderen Privatinvestoren oder Venture-Capital-Fonds kann Risiken verteilen und die notwendige Anschlussfinanzierung sicherstellen.

  • Risikoreduzierung in den Mittelpunkt stellen: Investoren sollten Startups bevorzugen, die bereits eine gewisse Marktvalidierung erreicht haben, etwa durch erste Umsätze oder überzeugende klinische Daten.

Fazit

MedTech kann für Business Angels ein attraktiver Investmentbereich sein – insbesondere für Investoren mit einschlägiger Expertise und einem langfristigen Anlagehorizont. Das Renditepotenzial kann erheblich sein. Gleichzeitig sollten Investoren den Sektor nur mit einem klaren Verständnis seiner besonderen Herausforderungen, langen Entwicklungszeiten und hohen Kapitalanforderungen angehen.

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Daniel Shoukier
Entrepreneur & Medical Device Expert

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