Die Autoren sind am Aufbau von MEDKAP, KAPSLY und dem Healthtechpark beteiligt. Dieser Artikel erläutert die Beweggründe hinter dieser Arbeit.
Krankenhäuser brauchen Innovationsstrategien
Krankenhäuser, die Digitalisierung und Vernetzung proaktiv angehen, werden sich im integrierten Gesundheitswesen einen Vorsprung verschaffen. Die verfügbaren technologischen Möglichkeiten versprechen nicht nur ein effizienteres Gesundheitssystem, sondern auch eines, das den Nutzen für Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt. Der Verwaltungsrat trägt die Verantwortung dafür, dass Innovation – mit klar definierten Zielen und umsetzbaren Massnahmen – zu einem integralen Bestandteil der zukunftsorientierten Strategie des Krankenhauses wird.
Die Gesundheitsbranche erlebt einen derart rasanten technologischen Wandel, dass sie sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändern wird. Gelingt die Digitalisierung der Medizin und der Gesundheitsdienstleister, bringt sie sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Leistungserbringer erhebliche Vorteile. Dieser Weg birgt jedoch zahlreiche Herausforderungen, insbesondere für Krankenhäuser. Für die Zukunft reicht es nicht aus, eine passive Institution zu sein, die nach fixen Tarifen abrechnet und Veränderungen lediglich abwartet. Krankenhäuser müssen diesen Herausforderungen vielmehr aktiv begegnen.
Krankenhäuser stehen vor vielfältigen Herausforderungen: Sie müssen ihre Mitarbeitenden fachlich und persönlich auf künftige Veränderungen vorbereiten. Sie müssen sich zu Innovationsplattformen entwickeln, auf denen neue Therapien und Behandlungen gemeinsam mit Bildungsinstitutionen und Start-ups entwickelt, getestet und umgesetzt werden. Krankenhäuser und ihre Vertreterinnen und Vertreter müssen zudem als Think Tanks fungieren, sich an Diskussionen beteiligen und Veränderungen mitgestalten.
Aufbau eines Health Innovation Hub
Für den Strategiezyklus 2017–2023 definierte der Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baden (KSB) auf Antrag der Geschäftsleitung Innovation als strategische Priorität und gründete 2018 den KSB Health Innovation Hub. Ausgestattet mit einem dedizierten Innovationsmanager und einem strukturierten Budgetrahmen führte der Hub eine professionelle Innovationsgovernance in der Organisation ein.
Die Ergebnisse zeigen die Wirksamkeit dieses Ansatzes. Bis 2025 wurden 19 Projekte erfolgreich umgesetzt. Gleichzeitig liefen 28 Innovationsprojekte, und neun neue Initiativen wurden gestartet. Mit mehr als 100 innovativen Unternehmen wurden Gespräche geführt, darunter PSI und USZ. In zwei Start-ups – Nuclidium und Hey Patient – wurde investiert. Wichtig ist, dass über 80 Projekte bewusst eingestellt wurden, weil kein nachhaltiges Win-win-Szenario erkennbar war. Innovation wurde nicht als Enthusiasmus verstanden, sondern als diszipliniertes Portfoliomanagement. Andere Spitäler, darunter das USZ, übernahmen ähnliche Ansätze.
Die zentrale Erkenntnis war klar: Innovation braucht Struktur, Governance und langfristiges Engagement.

2025: Gründung des Health Innovation Hub Aargau
Im Jahr 2025 institutionalisierten das KSB, das Kantonsspital Aarau (KSA), die Stadt Baden und der Kanton Aargau ihre gemeinsamen Innovationsambitionen durch die Gründung des Health Innovation Hub Aargau. Ziel war es nicht, eine weitere Initiative zu schaffen, sondern Innovation von einem einzelnen Spitalprogramm zu einem koordinierten kantonalen Rahmen weiterzuentwickeln.
Aufbauend auf der operativen Erfahrung des KSB Health Innovation Hub und der Forschungskompetenz des KSA wurde Innovation institutionsübergreifend ausgerichtet. Klinische Expertise, Forschungskapazität und unternehmerische Aktivität wurden auf einer strukturierten Plattform zusammengeführt.

Der HIH Aargau fungiert als zentrale Schnittstelle im regionalen Gesundheitsinnovationsökosystem. Er verbindet Krankenhäuser, Forschungsinstitutionen, Start-ups, etablierte Health- und MedTech-Unternehmen sowie Innovationsnetzwerke in einem koordinierten Rahmen.
Durch strukturierte Networking-Formate, kuratierten Austausch und gemeinsame Initiativen reduziert der Hub Fragmentierung und erhöht die Transparenz über Innovationsaktivitäten hinweg. Das Innovation Board ermöglicht strategische Priorisierung und fundierte Entscheidungen, während der Startup Hub und die Nähe zu klinischen Umgebungen es erlauben, Lösungen unter realen Bedingungen zu testen und zu validieren.
Das Ziel ist klar: die Überführung technologischer Entwicklungen in die klinische Anwendung zu beschleunigen, das regionale Health- und MedTech-Ökosystem zu stärken und den Aargau im Innovationskorridor Grossraum Zürich–Basel als führenden Standort für Gesundheitsinnovation zu positionieren.

Elemente einer handlungsorientierten Innovationsstrategie
Eine wirksame Innovationsstrategie beginnt mit systematischem Monitoring. Krankenhäuser müssen technologische, regulatorische und therapeutische Entwicklungen kontinuierlich verfolgen, um Veränderungen vorauszusehen, anstatt lediglich auf sie zu reagieren. «Am Puls der Zeit zu sein» ist keine Metapher, sondern ein strukturierter Prozess, der fundierte und zeitnahe Entscheidungen ermöglicht.
Ebenso entscheidend ist die Schaffung von Plattformen, die die klinische Praxis mit Forschungsinstitutionen und innovativen Unternehmen verbinden. Krankenhäuser müssen Umgebungen bieten, in denen neue Ideen unter realistischen klinischen Bedingungen bewertet, getestet und weiterentwickelt werden können. Ohne solche translationalen Räume bleibt Innovation theoretisch.
Zusammenarbeit allein reicht jedoch nicht aus. Innovation braucht Governance. Externe Partner müssen gezielt identifiziert, Projekte konsequent bewertet und potenzielle gegenseitige Vorteile objektiv geprüft werden. Dies erfordert Kontinuität in der Führung sowie professionelles Innovationsmanagement über einen längeren Zeitraum.
Schliesslich muss Innovation in der Organisationskultur verankert werden. Führungskräfte müssen innovatives Verhalten aktiv fördern, geeignete Anreize schaffen und Erfolge transparent kommunizieren. Erst wenn Innovation Teil der Identität einer Institution wird, entwickelt sie sich von einzelnen Initiativen zu einer nachhaltigen strategischen Fähigkeit.
Zusammenarbeit mit Forschungszentren / Universitäten: Wegbereiter für das Krankenhaus der Zukunft
Technologischer Wandel wird praktisch alle Prozesse eines Krankenhauses beeinflussen – von Diagnostik und medizinischen Eingriffen über Logistik und Administration bis hin zu Führung und Management. Institutionen, die diese Entwicklungen frühzeitig antizipieren, können ihre Infrastruktur und Prozesse entsprechend zukunftsfähig gestalten. Das KSB hat Innovationsaspekte bereits in seinen Neubau integriert.
Die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungszentren stärkt zusätzlich die translationale Fähigkeit. Die Partnerschaft ETH@KSB veranschaulicht diesen Ansatz. Gemeinsame Forschungsinitiativen, Zugang zu klinischen Daten und die räumliche Nähe im Partner House II fördern einen schnellen Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Solche Strukturen verkürzen Kommunikationswege und beschleunigen Innovationszyklen.

Förderung von Innovation im Medizin- und HealthTech-Sektor
Eine strukturierte Innovationsgovernance ermöglicht zudem eine gezielte Zusammenarbeit mit der MedTech-Industrie. Über mehrjährige Pilotphasen können neue Technologien in klinischen Umgebungen entwickelt und validiert werden. Dies stärkt sowohl die Qualität der Gesundheitsversorgung als auch die regionale Wertschöpfung.
Regionen wie Basel und Baden zeigen, dass koordinierte Innovationsstrategien zwischen Krankenhäusern und Industrie die wirtschaftliche Wirkung erhöhen und Investitionen anziehen. Die Abstimmung von Spitalinitiativen mit kantonalen und nationalen Innovationsprogrammen fördert nachhaltige Ökosysteme, die Industrie, Forschung und klinische Praxis miteinander verbinden.
Eine frühe Einführung muss jedoch stets mit Patientensicherheit und Qualitätsstandards im Einklang stehen. Innovation ist kein Selbstzweck. Sie muss den Patientinnen und Patienten dienen und die Leistungsfähigkeit des Systems verbessern.
Ein Modell für institutionalisierte Innovation
Die Erfahrungen des Kantonsspitals Baden und des Health Innovation Hub Aargau verdeutlichen ein übergeordnetes Prinzip: Innovation im Gesundheitswesen kann nicht improvisiert werden. Sie muss gesteuert, mit Ressourcen ausgestattet und auf Ebene des Verwaltungsrats strukturell verankert werden.
Institutionalisierte Innovation schafft Transparenz, beschleunigt die Translation und stärkt die regionale Wettbewerbsfähigkeit. Sie verwandelt Innovation von punktuellen Experimenten in eine strategische Fähigkeit. Krankenhäuser, die solche Strukturen aufbauen, werden die Zukunft des Gesundheitswesens mitgestalten. Jene, die dies nicht tun, werden sich an sie anpassen müssen.
Schlussbemerkung
Die Schweiz verfügt über viele der richtigen Voraussetzungen: Talente, Finanzierung, starke IP und regulatorische Klarheit. Doch um diesen Moment zu nutzen, braucht es mehr als günstige Trends. Business Angels, VCs, Unternehmen und öffentliche Akteure müssen zusammenarbeiten, um wissenschaftliches und unternehmerisches Potenzial in Unternehmen zu überführen, die skalieren – und langfristig bleiben. Das Zeitfenster ist offen.
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Über den Autor
Dr. Daniel Heller: Daniel ist Präsident des Verwaltungsrats des KSB, das vermutlich als erstes Krankenhaus in der Schweiz Start-ups gezielt dazu eingeladen hat, Innovation in die Spitäler zu bringen. Darüber hinaus ist er Partner bei Farner Consulting, wo er das Head Startup Desk leitet. Als Verwaltungsratspräsident steht er unter anderem dem Kantonsspital Baden vor, das sich durch seinen Health Innovation Hub sowie seine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung als öffentliches Spital auszeichnet.



